Brasilien wählt seinen Präsidenten in einer zweiten Runde. Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva und Senator Flávio Bolsonaro treten am 25. Oktober gegeneinander an. Nach dem ersten Wahlgang vom 4. Oktober meldet die Nachrichtenagentur AP, dass keiner die erforderliche Mehrheit erreicht hat. Auch die brasilianische Zeitung O POVO berichtet über die Stichwahl. [1] [2]
Flávio Bolsonaro ist der Sohn des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro. Gewählt wird diesmal zwischen ihm und Lula. Der Termin der zweiten Runde ist im Kalender des brasilianischen Wahlgerichts TSE festgelegt. [1] [4]
Welche Politik steckt hinter den Namen?
AP beschreibt unterschiedliche Schwerpunkte: Lula verspricht, das Sozialprogramm Bolsa Família fortzuführen und den Amazonas zu schützen. Flávio Bolsonaro setzt auf einen harten Sicherheitskurs, darunter große Gefängnisse nach dem Vorbild El Salvadors und die Einstufung transnationaler Banden als Terrororganisationen. Das sind Positionen im Wahlkampf, keine bereits erzielten Ergebnisse. [3]
Solche Ankündigungen brauchen Nachfragen. Bei Sozialleistungen zählen Finanzierung, Zugang und Verlässlichkeit. Beim Waldschutz zählt, welche Eingriffe verhindert werden und wie Regeln durchgesetzt werden sollen. Bei Sicherheit muss sich zeigen, ob eine Maßnahme Menschen vor Gewalt schützt und dabei rechtsstaatlich kontrolliert wird.
Ein größeres Gefängnis beantwortet beispielsweise noch nicht, wie Ermittlungen verbessert werden, wie Gerichte arbeiten oder wie eine unrechtmäßige Inhaftierung korrigiert wird. Das sind Maßstäbe, an denen sich ein Sicherheitsprogramm prüfen lässt. Sie ersetzen keine Untersuchung seiner tatsächlichen Wirkung.
Was aus dem ersten Wahlgang nicht folgt
Aus Stimmenanteilen lässt sich keine gemeinsame Absicht aller Wählerinnen und Wähler herauslesen. Wer einem Kandidaten seine Stimme gibt, kann dessen Sozialpolitik, Sicherheitsversprechen oder etwas ganz anderes wichtig finden. Ohne entsprechende Befragungen wäre eine Erklärung über die Motive Spekulation.
Die kommenden Wochen sollten deshalb mehr liefern als Siege in Wortgefechten. Zu jeder großen Zusage gehören die geplanten Maßnahmen, die Kosten und die Antwort darauf, wer ihre Umsetzung kontrolliert. Für die Entscheidung am 25. Oktober müssen sich die Programme deshalb auch in konkreten Maßnahmen vergleichen lassen.