Wenn du dein Handy lädst, interessiert es das Ladegerät nicht, ob der Strom gerade aus Wind, Sonne, Wasser, Gas oder Kohle stammt. Es bekommt elektrische Energie aus dem Netz.
Aber irgendwo muss diese Energie erzeugt werden. Und zwar fast genau in dem Moment, in dem Menschen, Fabriken und Geräte sie brauchen. Deshalb ist die Frage „Was kommt nach der Kohle?“ komplizierter als „Dann bauen wir einfach Windräder“. [1]
Das Stromnetz ist wie eine riesige Waage
Auf der einen Seite steht der Verbrauch: Lampen, Kühlschränke, Züge, Computer, Fabriken. Auf der anderen Seite steht die Erzeugung und gespeicherte Energie. Beide Seiten müssen ständig zusammenpassen.
Wind- und Solaranlagen können sehr viel Strom liefern. Aber nicht zu jeder Stunde gleich viel. Nachts liefert eine Solaranlage keinen Strom. Bei wenig Wind drehen sich Windräder langsamer oder gar nicht.
Was hilft, wenn Sonne und Wind gerade wenig liefern?
Es gibt nicht nur eine Antwort. Strom kann zwischen Regionen transportiert werden. Speicher können vorher geladene Energie wieder abgeben. Manche Verbraucher können ihren Verbrauch verschieben. Außerdem können steuerbare Kraftwerke einspringen.
Die Bundesnetzagentur beschreibt deshalb ein zukünftiges System, in dem erneuerbare Energien, Kraftwerke, Speicher und flexible Verbraucher zusammenspielen sollen. Für Zeiten mit wenig erneuerbarer Erzeugung sollen zusätzliche gesicherte Kapazitäten verfügbar sein. [2]
Und wann endet die Kohle?
Deutschland hat gesetzlich beschlossen, die Kohleverstromung spätestens 2038 zu beenden. Die Leistung der Kohlekraftwerke wird schrittweise reduziert. Für das Zieljahr 2029 musste die Bundesnetzagentur 2026 keine zusätzliche Abschaltung anordnen, weil bereits genügend Anlagen aus dem Markt gegangen waren. [1] [3]
Das heißt aber nicht, dass morgen alle Kohlekraftwerke verschwinden. Der Ausstieg ist ein Weg über viele Jahre.
Warum kann man nicht einfach einen riesigen Akku bauen?
Akkus sind ein Teil der Lösung, aber Stromverbrauch und Wetter schwanken über Stunden, Tage und Jahreszeiten. Für ein ganzes Land braucht man deshalb unterschiedliche Speicherarten, Stromleitungen, Kraftwerke und Möglichkeiten, Verbrauch zu verschieben.
Auch Nachbarländer sind wichtig, weil europäische Stromnetze miteinander verbunden sind. Wenn an einem Ort viel Strom erzeugt wird, kann er über Leitungen in andere Regionen fließen – sofern dort genug Netzkapazität vorhanden ist.
Ist erneuerbarer Strom immer „kostenlos“?
Wind und Sonnenlicht schicken keine Rechnung. Anlagen, Netze, Speicher, Wartung und Reservekapazitäten kosten trotzdem Geld. Deshalb ist „Wind ist gratis“ genauso ungenau wie „Erneuerbare sind teuer“. Man muss immer fragen, welche Kosten und welcher Zeitraum gemeint sind.
Dein eigener 24-Stunden-Stromplan
Male eine Linie von 0 bis 24 Uhr. Zeichne ein, wann eine Solaranlage ungefähr Strom liefern könnte. Überlege danach: Wann brauchst du morgens, mittags und abends besonders viel Strom?
Jetzt ergänze drei Joker: Speicher, Wind, steuerbares Kraftwerk. Wo würdest du sie einsetzen? Es gibt nicht nur eine richtige Lösung – genau das macht ein Stromsystem spannend.