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Analyse

Mit KI erstellt. Was genau?

Ein Label verrät die Herstellung. Für Vertrauen müssen wir außerdem wissen, was ein Bild zeigt, wer den Text geprüft hat und wer dafür einsteht.

Bestehende Veröffentlichung. Die neue Darstellung verändert weder den damaligen Faktenstand noch den Freigabestatus der persönlichen Einordnung.

Unter einer Geschenkurkunde steht ein KI-Hinweis. Damit wissen wir etwas über ihre Herstellung. Aber noch nicht, ob ein dargestellter Wald existiert, ob ein Gesicht zu einem echten Menschen gehört oder ob eine Aussage über die Verwendung des Geldes geprüft wurde. Die Kennzeichnung beantwortet nur die Frage, die sie tatsächlich benennt.

Illustration oder Beleg?

Der Journal-Ausgangspunkt ist eine Urkunde von Corazón de Cacao. Aus diesem Anlass lässt sich eine allgemeinere Unterscheidung gewinnen: Eine erfundene Zeichnung darf eine Idee vermitteln. Ein Bild, das wie die Dokumentation einer Ernte aussieht, kann dagegen als Beleg gelesen werden. Die Folgen unterscheiden sich, auch wenn beide mit demselben Werkzeug entstanden sind.

Unser hypothetisches Beispiel: Eine gezeichnete Kakaopflanze auf einem Gutschein illustriert dessen Thema. Eine künstlich erzeugte Fotografie mit einer scheinbar konkreten Bauernfamilie würde darüber hinaus die Existenz dieser Personen nahelegen. Für diese zweite Verwendung reicht ein unauffälliger Sammelhinweis im Fußbereich nach unserem redaktionellen Maßstab nicht.

Die EU-Regel ist genauer als ein Pauschallabel

Artikel 50 des AI Act behandelt unterschiedliche Transparenzpflichten. Bei Deepfakes müssen Anwender die künstliche Erzeugung oder Manipulation offenlegen. Für KI-generierte Texte zur öffentlichen Information über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse gibt es eine Ausnahme, wenn menschliche Prüfung oder redaktionelle Kontrolle erfolgt und eine Person oder Organisation die redaktionelle Verantwortung trägt. Die Pflichten gelten seit 2. August 2026. [1][2]

Die Kommission erläutert: Bloße Rechtschreib- oder Grammatikprüfung genügt für diese Ausnahme nicht. Gemeint ist eine inhaltliche Prüfung. Diese Zusammenfassung beschreibt den Regelungsrahmen; die Einordnung einer bestimmten Veröffentlichung hängt von ihrem konkreten Einsatz ab. [2]

Ein brauchbarer Hinweis benennt die Funktion

Für unser Magazin schlagen wir deshalb eine präzisere Sprache vor: „KI-Illustration – keine Aufnahme des beschriebenen Projekts“ oder „KI-gestützter Textentwurf – redaktionelle Durchsicht steht aus“. Das sind eigene Kennzeichnungsbeispiele. Eine abgeschlossene menschliche Prüfung dürfen wir erst behaupten, wenn sie tatsächlich stattgefunden hat.

Der Hinweis gehört dorthin, wo die betreffende Darstellung begegnet. Leser sollen nicht erst verschiedene Unterseiten durchsuchen müssen. Ebenso wichtig ist eine klare Zuständigkeit für Korrekturen. Die Technik kann an der Herstellung beteiligt sein; sie beantwortet keine Beschwerden und übernimmt keine redaktionelle Verantwortung.

Auch ein Originalfoto beweist wenig allein

Ein echtes Foto kann veraltet, falsch beschriftet oder aus dem Zusammenhang genommen sein. Unsere Prüfung muss deshalb auch Datum, Ort und Aussage beachten. Bei Texten bleiben Quellen, Zahlen und Zitate prüfpflichtig, unabhängig davon, ob die erste Fassung von einem Menschen oder einer Maschine stammt.

Ein gutes Label verkleinert das Missverständnis. Vertrauen entsteht, wenn Herstellung, dokumentarischer Anspruch und Prüfung zusammenpassen. Wo diese Angaben fehlen, bleibt der Hinweis eine nützliche, aber unvollständige Information.

Das stärkste Gegenargument

Ausführliche Kennzeichnung kann eine Seite überfrachten und harmlose Gestaltung unnötig verdächtig machen. Deshalb sollten Hinweise dem möglichen Missverständnis entsprechen. Ein kurzes, eindeutig platziertes Label kann genügen; größere Transparenz braucht es dort, wo eine Darstellung als Tatsachenbeleg wirken könnte.

ChocoPolitico
meint.

Kommentar · eigene Einordnung · Entwurf

Wir wollen erkennen können, ob wir eine Idee sehen oder einen dokumentierten Vorgang. „Mit KI erstellt“ ist der Anfang dieser Auskunft.

Die entscheidende Ergänzung lautet: Was wurde erzeugt, was wurde geprüft, und wer korrigiert einen Fehler? Diese Fragen gelten auch für unsere eigenen Entwürfe.

Kommentarentwurf · redaktionelle Durchsicht steht aus.

Was noch offen ist

1Welche Elemente einer Veröffentlichung sind künstlich erzeugt und welche dokumentieren reale Vorgänge?

2Welche inhaltlichen Prüfungen fanden tatsächlich statt?

3Wer nimmt Hinweise auf Fehler entgegen und macht Korrekturen sichtbar?

Quellen. Und was sie belegen.

Was möchtest du verstehen?