19 Prozent. Das ist die Zahl, die sofort auf jedes Titelbild passt. Für CDU und CSU ist sie ein Tiefpunkt im Forsa-Trendbarometer. Aber ein paar Zeilen tiefer in derselben Veröffentlichung steht eine andere Zahl: 55 Prozent. So viele Befragte trauen bei der Frage nach politischer Kompetenz keiner Partei am ehesten zu, die Probleme Deutschlands zu lösen. Wer nur den Absturz einer Partei erzählt, übersieht den größeren Vertrauensverlust.[2]
Paul Ronzheimer und Forsa-Geschäftsführer Peter Matuschek sprechen in einer Podcastfolge über die Krise der Union und Merz. Der Gesprächstitel lautet „Solche Umfragen hat Deutschland noch nie erlebt“. Er ist ein guter Anlass, die veröffentlichte Messung selbst anzusehen. Was ist neu? Was ist Interpretation? Und wo enden die Zahlen?[1]
Erste Zahl: 19. Zweite Zahl: 55.
Forsa fragte für RTL/ntv zwischen dem 22. und 28. September 2.501 Menschen. In der Sonntagsfrage stehen CDU/CSU bei 19 Prozent, die AfD bei 26, die Grünen bei 16 und die SPD bei 14. Die Union liegt in dieser Erhebungsreihe erstmals unter 20 Prozent. Für die AfD gibt es in dieser Woche keinen Zuwachs: Auch sie verliert gegenüber der Vorwoche einen Punkt.[2]
Die Kompetenzfrage misst etwas anderes als die Wahlabsicht. Neun Prozent nennen hier CDU/CSU als die Partei, der sie am ehesten zutrauen, Deutschlands Probleme zu lösen. Zwölf Prozent nennen die AfD. 55 Prozent nennen keine Partei. Das bedeutet nicht, dass 55 Prozent nie mehr wählen werden. Es bedeutet: In dieser Frage kann keine der angebotenen Parteien sie überzeugen.[2]
„Historisch“ heißt hier: 19 Prozent sind der niedrigste Wert der Union in dieser Forsa-Reihe. Die statistische Fehlertoleranz gibt RTL mit ±2,5 Prozentpunkten an. Ein Rückgang um einen Punkt von Woche zu Woche ist deshalb keine solide Grundlage für eine dramatische neue Trendgeschichte. Und ein Umfragewert ist kein Wahlergebnis.[2]
Merz? Ja. Nur nicht als Alleinerklärung.
Die Unzufriedenheit mit der Arbeit des Kanzlers ist in der Erhebung groß: elf Prozent zufrieden, 87 Prozent unzufrieden. Sogar unter befragten Unionsanhängern überwiegt die Unzufriedenheit. Das ist politisch schwer zu ignorieren. Es beweist aber nicht, dass Merz allein die 19 Prozent verursacht hat.[2]
Eine andere Forsa-Befragung hilft, genauer hinzusehen. Anfang September wurden 504 Menschen mit AfD-Wahlabsicht nach ihrem wichtigsten Wahlmotiv gefragt. Unter denjenigen in dieser Gruppe, die früher Union wählten, nannten 37 Prozent die Unzufriedenheit mit der Bundesregierung unter Merz. Das ist ein Befund über eine bestimmte Teilgruppe und eine andere Erhebungswoche. Wir können daraus weder alle verlorenen Unionsstimmen noch den heutigen Wochenwert erklären.[3]
Worauf wir jetzt achten würden
Die nächsten Messungen zeigen, ob der niedrige Unionswert bleibt. Politisch interessanter wäre, ob irgendeine Partei bei der Kompetenzfrage Vertrauen zurückgewinnt. Um Ursachen zu verstehen, brauchen wir wiederholte Befragungen mit denselben Fragen und eine saubere Trennung von Wahlabsicht, Zufriedenheit und genannten Motiven. Bis dahin ist „Merz ist schuld“ eine Deutung. „19 Prozent für die Union und 55 Prozent für keine Partei bei der Kompetenzfrage“ sind zwei veröffentlichte Ergebnisse.[2][3]